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Das Ziel ist, Respekt aufzubauen, eine Beziehung zur Alp zu entwickeln und die Vorfreude auf den Alpkäse anzukurbeln – Ein Interview mit Käse-Spezialistin Caroline Hostettler.

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Das Ziel ist, Respekt aufzubauen, eine Beziehung zur Alp zu entwickeln und die Vorfreude auf den Alpkäse anzukurbeln – Ein Interview mit Käse-Spezialistin Caroline Hostettler.

Die Frau, die Schweizer Käse in den USA vermarktet: Caroline Hostettler ist Mitte der 90er Jahre mit ihrer Familie in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Weil sie in Florida keinen guten Käse ausfindig machen konnte, gründete die Macherin 1997 das Unternehmen Quality Cheese, mit dem sie seither erfolgreich die besten Schweizer Käsesorten in den US-Markt importiert.

Carolines besondere Leidenschaft gilt dem Alpkäse. 2015 hat sie das Projekt «Adopt-an-Alp» ins Leben gerufen. Auch die Alp Nünenen kann über das Projekt «adoptiert» werden.

 

Du bist Schweizerin, lebst inzwischen aber seit 25 Jahren in den USA und vermarktest dort Schweizer Käse. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Kurz gesagt: Ich habe guten Käse vermisst! Ein Erlebnis beim Einkaufen war der Auslöser: Als eine Frau an der Käsetheke fragte, ob der Verkäufer ihr den Münster bitte ganz fein schneiden könne, dachte ich erst, ich hätte mich verhört. Dann hielt er ihr jedoch ein hauchdünnes, knalloranges, wie Gummi aussehendes Quadrat vors Gesicht und mir wurde klar, dass ich im falschen Film sass.

Zu Hause telefonierte ich mit meinem Freund, dem Schweizer Affineur Rolf Beeler, und berichtete ihm von dem Vorfall. Aus Spass verkündete ich, dass ich wohl anfangen müsse, seinen Käse zu importieren. Irgendwie liess mich die Idee nicht mehr los und ein paar Monate später begann ich, sie in die Realität umzusetzen.

 

Wie bist du dieses Vorhaben angegangen?

Als Kulinarik- und Gastro-Journalistin war ich mit der Restaurant-Szene quer durch die USA bereits vertraut. Ich investierte in drei je 5kg schwere Stück Käse und eine zweiwöchige Reise in fünf Städte – New York, Los Angeles, San Francisco, Chicago und New Orleans –, während der ich in den hochkarätigsten Restaurants meine Ware präsentierte.

Ich realisierte rasch, dass ich mich lediglich über Aufklärung und Erziehung abheben konnte. Jeder Koch kannte den Namen Gruyère, aber fast keiner wusste, dass der auch in 18-monatiger Version und gespickt mit köstlichen Kristallen daherkommen kann. Die Leute waren damals an Schweizer Standardware, nicht aber an Spezialitäten gewöhnt.

 

Was waren und sind deine grössten Herausforderungen?

Klischees als solche aufzudecken, Fakten hinzulegen und die Leute zum Nachdenken zu bringen erachte ich als eine meiner Hauptaufgaben.

Nicht alles, was aus der Schweiz stammt, ist auf einem Berg entstanden. Und nicht jeder Schweizer Käse ist «alpine style». Damit ein Alp- oder Bergproduzent das bekommt, was er verdient, müssen die Leute – Verkäufer wie Endkonsumenten – die Unterschiede kennen.

Und auch das Image von Käse ist eine harte Knacknuss. Viele Leute denken immer noch, dass Käse dick mache, die Arterien verstopfe und Herzen explodieren lasse.

 

Mit dem Programm «Adopt-an-Alp», welches du 2015 aufgebaut hast, rückt der Alpkäse ins Zentrum. Warum? Was begeistert dich am Schweizer Alpkäse?

Alpkäse ist für mich so etwas wie der Urkäse der Schweiz. Im Verlauf der Jahre sind mir nicht nur der Alpkäse, sondern auch die ganze Tradition und Philosophie der Alp-Sömmerung sehr ans Herz gewachsen.

In der modernen, hektischen Zeit, in der wir leben, finde ich den Brauch der Alp-Sömmerung etwas sehr Heilendes und im positiven Sinne Ernüchterndes. Als Familie oder Team zusammen zu leben und zu arbeiten, Verantwortung und Risiken zu übernehmen und direkt die Resultate zu sehen, würde vielen von uns gut tun. Oder wie ich es gerne sage: Auf der Alp verblöden die Leute nicht!

Auch die gesundheitlichen Aspekte des Alpkäses faszinieren mich.

 

Wie funktioniert «Adopt-an-Alp»? Wie verläuft das Projekt?

Adopt-an-Alp richtet sich an Läden, Caterer und Restaurants. Vor dem Start der Alp-Saison wählt der Kunde «seine» Alp aus. Da gehen die Leute nach ganz diversen Kriterien vor. Sie reservieren auch das Kontingent an Käse, das sie im Herbst bekommen wollen. Den ganzen Sommer hindurch können die Teilnehmenden «ihre» Alp über den Blog auf www.adopt-an-alp.com wie auch auf Facebook und Instagram begleiten.

Das Ziel ist, Verständnis und Respekt aufzubauen, eine Beziehung zur Familie, den Tieren und der Alp zu entwickeln, und so natürlich auch die Spannung und Vorfreude auf den Alpkäse anzukurbeln.

 

Wie oft gibt es bei euch Zuhause Schweizer Käse zu essen?

Täglich, und oft mehr als einmal. Mein Zmorge sind immer Käse und Brot, und mein Mittags-Imbiss gewöhnlich auch.